Der Beginn der Sri Lanka Bat-Call-Library

Seit ein paar Tagen bin ich nun wieder zurück aus Pahiyangala und verarbeite die Daten in Colombo, während ich die Vorbereitungen für das nächste Untersuchungsgebiet treffe. Aber was sind überhaupt die Ergebnisse meines Aufenthalts in Pahiyangala?

Für meine Staatsarbeit versuche ich ja über Ultraschall-Lautaufnahmen eine Einschätzung zu treffen, ob zwei bestimmte Fledermausarten (Tadarida aegyptiaca und Chaerephon plicata) in einem Gebiet vorkommen. Das Prinzip dieser Methode habe ich in dem kurzen Einführungsvideo auf Youtube erklärt. Ich nehme also nachts die Rufe von vorbeifliegenden Fledermäusen auf und möchte dann anhand der Rufe sagen, um welche Fledermausart es sich handelt, denn die Rufen alle ein bisschen unterschiedlich. Dabei fällt sofort auf, dass das nur möglich ist, wenn ich auch einen Vergleich habe!

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Ruf einer Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) aus Deutschland.

Das Bild oben zeigt einen Ultraschallruf einer Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus) aus Deutschland. Die X-Achse unten zeigt die Zeit an und die linke Y-Achse gibt an wie hoch der Ton ist, also welche Frequenz er hat. Wichtig für die Bestimmung sind Angaben wie die Höhe der Töne, aber auch die Länge und die Form des Rufes. Außerdem kann man auch noch hinzuziehen, bei welcher Tonhöhe der Ruf am lautesten ist.

Für Deutschland gibt es Datenbanken, mit denen man die eigenen Aufnahmen vergleichen kann, um die Fledermäuse zu bestimmen. Für Sri Lanka aber gibt es solche Vergleichsdatenbanken momentan nicht. Das bedeutet, dass ich zwar Aufnahmen machen kann, aber ich habe aus Sri Lanka keinen Anhaltspunkt, um welche Art es sich handelt. Ich kann lediglich gucken, ob es die Art noch woanders auf der Welt gibt und ob vielleicht aus dieser Gegend Aufnahmen als Vergleich zur Verfügung stehen. Das habe ich für die beiden Arten, die ich suche auch gemacht. Besonders die Uni in Tel Aviv war dabei sehr hilfsbereit und hat mir tolle Aufnahmen und Beschreibungen der Rufe von Chaerephon plicata geschickt.

Manchmal kommt es aber auch vor, dass Fledermäuse, obwohl sie zur selben Art gehören, in verschiedenen Teilen der Welt verschiedene Rufe benutzen. Das ist dann so etwas wie ein örtlicher Dialekt, der vielleicht dazu führt, dass ein Vergleichsruf aus Indonesien in Sri Lanka nur bedingt nützlich ist. Deswegen versuche ich auch, neben der Suche nach den beiden Arten Tadarida aegyptiaca und Chaerephon plicata, eine solche Datenbank für Sri Lanka zu beginnen. Da ich ja durch mein Projekt auf verschiedene Fledermausarten stoße, mache ich möglichst jedes Mal Aufnahmen von Tieren, die ich genau bestimmen konnte.

Aus Pahiyangala nehme ich den ersten Ruf für die Sri Lanka Fledermausruf-Datenbank mit. Vielleicht haben einige von euch den Beitrag vom Fledermausfang mit den kleinen Mönchen gelesen. Da haben wir ja mehrere Grabflatterer (Taphozous melanopogon) gefangen. Frei gelassen wurden die dann später so, dass sie ein paar Meter auf eine Horchbox zuflogen und dadurch konnte unter Anderem die folgende Aufnahme gemacht werden:

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Ruf von Taphozous melanopogon

Man sieht sofort, dass dieser Ruf ganz anders aussieht, als der von der deutschen Zwergfledermaus oben. Er ist andersherum gebogen und außerdem sieht man vier Rufe direkt übereinander (der unterste ist nicht ganz so deutlich, wie die anderen). Vertikal werden die einzelnen Rufe von unten nach oben durchnummeriert und heißen Harmonische. Außerdem sieht man in dem Bild noch etwas interessantes, und zwar, dass jeder Ruf eigentlich aus zwei sehr kurz aufeinander folgenden Rufen zu bestehen scheint. Das ist der Grund warum Fledermäuse sich überhaupt die Mühe machen auf diese Art und Weise in die Nacht zu brüllen. Der zweite Ruf ist nämlich das Echo und der enthält die für die Fledermaus wichtigen Informationen über ihre Umgebung.

Wenn ich in Zukunft Horchboxen aufstelle und dabei diesen Ruf finde, kann ich nun annehmen, dass es sich um diese Fledermaus handelt:

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Taphozous melanopogon

Eine weitere spannende Beobachtung ist, dass über dem Tempel an der Felswand eine Fledermauskolonie ab ca. fünf Uhr einen immensen Krach veranstaltet. Das ist etwas, das sehr typisch für eine der Fledermäuse, die ich suche (Chaerephon plicata) ist. Noch dazu sollte es dort ja 1931 eine solche Kolonie gegeben haben. Leider konnte ich der Sache während meines Aufenthaltes in Pahiyangala nicht weiter auf den Grund gehen, weil es immer geregnet hat, wenn ich mich abends auf die Lauer legen wollte und die Felswand an der Stelle auch ziemlich unzugänglich ist.

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Von hier aus konnte man die Kolonie hören, die irgendwo im Felsen über dem Tempel lebt.

Und dann musste ich auch leider zurück, um mein Visum zu verlängern. Ich werde aber versuche vor August noch einmal nach Pahiyangala zu reisen, um die Fledermaus-Kolonie, die so einen Krach gemacht hat, genauer untersuchen zu können. Und davon abgesehen: zu dieser Aussicht, von oben vom Felsen aus, möchte ich auch nochmal zurück 🙂

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Auf dem Felsen von Phiyangala

 

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