Ein Zimmer mit Blick ins Tal, bitte!

In Deutschland kann man unsere Fledermäuse grob in Spalten- und Höhlenbewohner unterteilen. Spalten finden sie natürlicherweise an Bäumen, wenn zum Beispiel die Rinde abgeplatzt ist, oder durch eine Verwachsung zweier Äste kleine schmale Hohlräume entstehen. Allerdings muss das Quartier nicht an einem Baum sein, denn in vielen Teilen Deutschlands gibt es ja gar nicht so viele richtig alte Bäume, die wild gewachsen sind, da die meisten Flächen forstwirtschaftlich genutzt werden. Deswegen weichen viele Fledermausarten auf Gebäude aus und finden dort spalten zwischen den Schindeln, hinter Wandverkleidungen, oder auch mal im Jalousien-Kasten, was dann im letzten Fall auch böse Verletzungen mit sich führen kann. Gemütlich finden es diese Fledermäuse meistens dann, wenn sie in ihrem Quartier möglichst mit Bauch und auch Rücken Kontakt zu ihrer Umgebung haben. Also richtig eng 😉

Die andere Gruppe, die Höhlenbewohner, dagegen bevorzugen offenere Quartiere, wie zum Beispiel alte Spechthöhlen an Bäumen, oder auch mal ein Vogelnistkasten. Einige von ihnen wollen es sogar noch geräumiger und bewohnen Dachböden, in denen sie dann mit nicht selten mehreren tausend Tieren hausen. Da Fledermäuse eher traditionell veranlagt sind kennen sie im letzten Fall meistens auch nur einen bestimmten Dachboden, der für das überleben dieser Kolonie sehr wichtig ist. Spechthöhlenbewohner dagegen wechseln auch schonmal öfter ihr Quartier. So eine Höhle hält ja auch nicht ewig, sondern wächst zu, oder wird von den Fledermäusen zugekotet. Die natürlichen pendants zu Dachböden dagegen sind zum Beispiel riesige Baumhöhlen in Bäumen die einen entsprechenden Durchmesser aufweisen und damit so einer großen Höhle überhaupt Platz bieten können. So alte Bäume gibt es aber in unseren Wäldern erst recht sehr selten, weswegen die Fledermäuse auf menschliche Bauten ausweichen müssen, die numal dort stehen, wo es früher schöne alte Bäume gab.

Wie aber nisten Fledermäuse in Sri Lanka? Es gibt da viele Gemeinsamkeiten, aber wegen dem Klima auch ein paar Unterschiede. Wenn ihr mehr darüber erfahren wollt, klickt auf „Weiterlesen“!

Auch hier gibt es Fledermäuse die bevorzugt eng und kuschelig hausen. Fledermäuse der Gattung Pipistrellus, wie ich sie in einem früheren Beitrag vorgestellt habe, sind in Deutschland, aber auch in Sri Lanka, typische Spaltenbewohner. Eine solche Fledermaus habe ich zum Beispiel mal in einem Pfosten auf der Terrasse eines guesthouse gefunden:

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Pipistrellus-Fledermaus (die genaue Art ist nicht bekannt) in einem Pfosten auf einer Terrasse. Das Loch war ungefähr auf Bauchhöhe.

Aber auch Baumhöhlen werden hierzulande gerne bewohnt. Vor kurzem wurde zum Beispiel eine Fledermausart, nämlich Saccolaimus saccolaimus, in einer Spechthöhle in einer Kokosnuss-Palme gefunden. Diese Höhle hat allerdings noch eine Besonderheit, nämlich das sie sowohl von oben durch das Spechtloch, als auch von unten über einen dicken Spalt im Stamm zugänglich ist.

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Saccolaimus saccolaimus Quartier in einer Kokosnuss-Palme. Dieses Foto hat mir Tharaka Kusuminda freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Und auch Fledermäuse in großen Räumen in Häusern, ähnlich einem Dachboden sind hier nicht unüblich. Oder solche, die in großen geräumigen Felshöhlen leben! Bei uns in Deutschland suchen Fledermäuse solche Höhlen eher für den Winterschlaf auf. Genau wie Wassertunnel bei uns eher als Winterschlafquartiere genutzt werden und hier in den Tropen dagegen regelmäßig als Tagesquartiere dienen (ihr erinnert euch vielleicht an meine erste Fledermausbegegnung im Tempel mit der kleinen Rundblattnase). Und auch die großen Höhlen beherbergen hier riesige Wochenstuben von mehreren tausend Individuen, manchmal auch mehrerer verschiedener Arten.

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Eine Höhle in Sri Lanka, die unter Fachleuten berühmt ist für die vielen Fledermäuse mehrerer verschiedener Arten, die in ihr Hausen.

Einige Quartiertypen gibt es aber die sich grundlegend von dem Unterscheiden, was wir aus Deutschland kennen. Sehr eindrucksvoll ist zum Beispiel eine Art Quartier in einer bestimmten Palmenart, bei der die Fledermäuse, meistens Scotophilus-Arten, zwischen den trockenen herabhängenden Palmwedeln sitzen. Nachts ist es dann ein tolles Schauspiel, wenn die Tiere in mehreren Wellen aus jeweils sechs bis zehn Tieren nach unten aus ihrem Versteck stürzen! In der Nähe eines Nationalparks im Süden Sri Lankas habe ich mal einen solchen Ausflug beobachten können:

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Nächtlicher Ausflug von (wahrscheinlich) Scotophilus-Fledermäusen aus einer Palme in der Nähe des Yala-Nationalparks in Sri Lanka.

Und dann gibt es noch einen Quartiertyp, der aber auch hier nur von Flughunden genutzt wird. Die sehr großen Pteropus-Flughunde hängen sich nämlich in riesigen Gruppen einfach so in die Bäume. Anfangs spenden ihnen dort die Blätter schönen Schatten. Wenn so ein Baum aber eine Zeit lang von Flughunden bewohnt wurde gibt sich das mit den Blättern oft, weil die riesigen Fledertiere einfach mit der Zeit alle Blätter abreissen. Im Endeffekt hängen sie dann doch wieder in der Sonne und wenn es richtig heiß wird sieht man sie mit offenem Maul hecheln und für ein bisschen kühle Luft mit den Flügeln wedeln.

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Hangplatz einer Pteropus giganteus Kolonie. Typisch: kahle Äste.

Die Fledermäuse nun die ich suche sind bekannt dafür, dass sie in anderen Teilen ihres Verbreitungsgebietes, zum Beispiel Indonesien, in verlassenen Häusern Quartier beziehen. Dabei sollen sie am Nachmittag so laut sein, dass man sie sogar vom Sattel eines Motorrads im vorbeifahren hören kann. Hier in Sri Lanka habe ich nach solchen Häusern gesucht und mich auch viel durchgefragt, aber anscheinend scheinen die Bulldoggfledermäuse hier andere Quartiere zu bevorzugen.

Oft hausen sie auch in Felsspalten, oder kleineren Höhlen, aber dabei ist wichtig, dass diese Quartiere frei anfliegbar sind. Die Bulldoggfledermäuse hier sind zwar schnell, aber alles andere als geschickte Flieger. Zwischen Ästen durchfliegen zu müssen um ihr Quartier zu erreichen würde ihre Flugkünste hoffnungslos überfordern. Gestern habe ich mit Tharaka, einem Student der Uni, der mir für ein paart age bei meiner Arbeit, und Sasi, der uns zu geführt hat, den ganzen Vormittag damit verbracht zu einer Höhle zu gelangen, die hier in der Nähe von Namunukula unter einem Felsbrocken liegt.

Der Weg war komplett zugewuchert, deswegen hat es recht lange gedauert, bis wir dann endlich da waren. Offensichtlich gehen extrem selten Menschen zu dieser Höhle. Dort angekommen haben wir feststellen müssen, dass auch die Eingänge zur Höhle völlig verwachsen sind. Nicht nur für Bulldoggfledermäuse scheint diese Höhle unerreichbar, denn wir fanden auch ansonsten keine anderen Fledermäuse und auch keine Spuren, die darauf hinweisen, dass die Höhle sonst von Fledermäusen bewohnt wird. Interessant war es trotzdem, weil die Höhle wohl früher von Menschen bewohnt wurde. Es gibt eine uralte Mauer und auch Malereien an der Felsendecke.

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Tharaka in der Felshöhle, die erstaunlicherweise komplett fledermausfrei war. In einige sehr tief liegende Kammern kam man allerdings auch nicht rein. Unten: Höhlenmalereiein an der Decke der Höhle, die einmal fünf Mönche zeigen und einmal eine teufelartige Kreatur neben einem Schachbrettmuster und einer Blüte.

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Wie alt diese Malereien sind kann ich jedoch überhaupt nicht sagen. Interessant waren sie aber auf jeden Fall! Wären es mal Fledermäuse gewesen, die die Decken und Wände der Höhle bedecken 🙂 Die Suche nach Sri Lankas Bulldoggfledermäusen dauert demnach noch an.

Viele Grüße aus Sri Lanka,
Tim

Ein Gedanke zu „Ein Zimmer mit Blick ins Tal, bitte!

  • Juni 22, 2015 um 3:45 pm
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    Absolutely fabulous photos Tim, and I’m riveted to your journal… Dad

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