Eine Tüte Chips

Eine Tüte Chips! Genau das soll der Lautsprecher oben auf dem Bild für Fledermäuse bedeuten. Ich versuche ja für mein Projekt anhand der Lautaufnahmen auf die entsprechende Fledermausart zu schließen und so Bulldoggfledermäuse zu finden, die in Sri Lanka lange nicht nachgewiesen wurden.  Das hat mehrere Gründe. Einer davon ist aber sicher die Flughöhe, weswegen man diese Arten normalerweise nicht bei einfachen Fängen dabei hat.

Man kann aber versuchen es den Fledermäusen attraktiv zu machen einfach ein bisschen tiefer zu fliegen. Wie das geht könnt ihr mit einem Klick auf ‚Weiterlesen‘ erfahren!

Gerade die von mir gesuchten Fledermausarten, fliegen extrem hoch und das ist ein Problem, denn die Höhe eines Netzes übersteigt in der Regel 6 oder 7 Meter nicht. Ich habe ja schon mehrmals in Beiträgen das Ultraschall-Echoortungsvermögen von Fledermäusen angesprochen. Dabei habe ich hauptsächlich erläutert, wie Fledermäuse ihrer Umgebung durch aussenden von Ultraschall-Tönen Informationen entnehmen. Was ich dabei bisher nicht erklärt habe ist, dass Fledermäuse auch von den Rufen anderer Fledermäuse profitieren.

Ein bekanntes Phänomen ist, dass Leute nach Hause kommen und in einem Zimmer eine große Anzahl an Fledermäusen vorfinden. Das liegt nicht daran, dass Fledermäuse generell in Gruppen durch die Nacht ziehen und gemeinschaftlich mögliche Schlafplätze auskundschaften. In der Regel bevorzugen sie es nämlich alleine durch die Dunkelheit zu flattern. Wenn sich aber eine Fledermaus in ein Zimmer verirrt und von dort aus zur Orientierung, oder aus Groll über ihr Schicksal ruft, sieht das für andere Fledermäuse so aus, als gäbe es an dieser Stelle möglicherweise ein geeignetes Quartier. Bei Arten, die ihre Quartiere regelmäßig wechseln kann das Wissen um solche Schlafplatzmöglichkeiten ein großer Vorteil sein, weswegen sie also ‚mal gucken kommen‘ und hinterher den Weg nach draußen nicht mehr finden.

Fledermäuse profitieren also auch von den Rufen ihrer Artgenossen. Es gibt sogar Forschung darüber, inwieweit Fledermäuse die Rufe anderer Fledermäuse nutzen können um sich zu orientieren. Auf diesem Gebiet weiß man noch nicht viel, aber in manchen Teilen der Welt sammeln Forscher jede Nacht wertvolle Informationen darüber, indem sie Fledermäuse mit Mini-Horchboxen mit GPS Funktion auf dem Rücken bei ihren Flugbewegungen beobachten und hinterher versuchen nachzuvollziehen, wann die Fledermaus aufgrund eigener und wann auf Grundlage fremder Ortungsrufe navigiert hat. Dass sie in der Tat mit den Rufen anderer Artgenossen ‚arbeiten‘ ist relativ sicher, aber das Ausmaß ist einfach noch nicht bekannt.

Eine Form der Nutzung fremder Ultraschallrufe aber ist durch einige Arbeiten bestätigt worden und für uns leicht nachvollziehbar. Man spricht dabei von der ‚bag-of-chips‘-Hypothese. Wenn Fledermäuse ein Insekt fangen, müssen sie dafür ihre Ortungsrufsequenz ändern um besser nachvollziehen zu können, wo sich das Insekt gerade  befindet. Man spricht dabei von einem ‚feeding-buzz‘. Wenn nun Fledermäuse bei ihrer Beutesuche viele feeding-buzzes von anderen Fledermäusen hören, ist es sehr wahrscheinlich, dass dort, wo die Rufe herkommen, gerade eine Menge Nahrung zur Verfügung steht. Es lohnt sich also zumindest mal vorbei zu schauen. Man nennt diesen Effekt ‚bag-of-chips‘-Effekt, weil er vergleichbar ist mit einem dunklen Kinosaal, in dem jemand eine Tüte Chips öffnet. In der Regel wissen auch dort sofort alle Anwesenden, wo ungefähr in diesem Raum Futter zu finden wäre.

Mit dem kleinen Lautsprecher oben auf dem Bild versuche ich die beiden Verhaltensweisen von Fledermäusen ein bisschen auszunutzen. Ich habe den Lautsprecher kurz vor meiner Abreise aus Deutschland zusammengebastelt und er ist bei Weitem nicht so gut, wie ein entsprechendes Gerät von einem professionellen Hersteller (man nennt diese Lautsprecher Klangattrappen). Er ist vor allem leider nicht sehr laut. Aber er kann Ultraschall-Laute bis etwa 45kHz aussenden, die ich mit einem mp3-Player, oder einem anderen Abspielgerät, das auch die entsprechenden Frequenzen abgibt, einspiele.

 

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Horchbox-Bau vor meiner Abreise. Zum Glück hatte mein Mitbewohner ein Lötgerät, das ich mir kurzfristig leihen konnte 🙂

Der Lautsprecher besteht aus einem kleinen selbst zusammen gelöteten Verstärker, der als Bausatz bei Conrad erhältlich ist. Wichtig dabei war, dass er auch die hohen Frequenzen abspielen kann. Dazu kommt ein Piezo-Lautsprecher, der Töne bis 45kHz abgeben kann und ein Batterie-Fach. Leider gab es keine Box, die genau die richtige Größe hatte, also musste ich ein bisschen improvisieren. Letztendlich hat ein alter Flip-Flop herhalten müssen, um den Lautsprecher ein bisschen weiter außerhalb der Box befestigen zu können. So sieht das fertige ‚Produkt‘ aus:

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Sicher keine High-End-Klangattrappe, aber sie war relativ schnell verfügbar und sie funktioniert auch.

Wie gesagt funktioniert dieser Lautsprecher nicht so gut wie eine richtige Klangattrappe, aber er erfüllt trotzdem seinen Zweck und lockt, wenn man die richtigen Audio-Dateien von zeternden, oder Insekten fangenden, Fledermäusen abgibt die Tiere ein bisschen näher ans Netz. Mit ihm versuche ich also die Bulldoggfledermäuse aus ihren luftigen Höhen in die Reichweiter meiner Netze zu bringen, wenn ich eine Stelle gefunden habe, über der sie nachts fliegen. Letzte Woche hat das immerhin die drei Zwergfledermäuse in Namunukula angelockt 😀

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