Acht Forscher und eine Fledermaus

Erst waren wir zu dritt, als wir loszogen um die Fledermauskolonie hinter der großen Buddha-Statue zu erfassen. Dabei geht es um ein kleines Nebenprojekt, bei dem ich versuche eine Ruf-Datenbank für sri-lankische Fledermäuse zu erstellen. Das soll in Zukunft helfen die Fledermauspopulationen hier zu erfassen, indem man einfach schaut, welche Rufe man nachts hört. Fledermäuse zu fangen ist dadurch nicht mehr in allen Fällen nötig.

Im Tempel hatten wir gerade die harp-trap-Schnüre fertig geknotet (KLICK MICH) um den Aufbau sofort wieder zu zerlegen und die Treppen zur Höhle hinaufzutragen. Wir mussten noch ein paar Minuten warten, weil doch noch Leute da waren, die wir nicht beim beten stören wollten. Kurze Zeit später aber stand die harp-trap zum ersten Mal um Fledermäuse zu fangen.

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Harp-trap am Ausgang des Korridors hinter der Buddha-Statue

Die zwei jüngeren Mönche waren in der Zwischenzeit wieder nach unten gegangen und während ich die harp-trap einstellte, schnappte sich Mangala Himi mein Fernglas und untersuchte die Felswand etwas abseits.

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Das Bild ist leider ein bisschen verrauscht. Es war schon recht dunkel.

Es verging keine halbe Stunde, nachdem die Falle aufgestellt war, da ging schon die erste Fledermaus ‚ins Netz‘. Es war eine Taphozous-Art, wie wir sie beim ersten Tempelbesuch schon an der Wand haben sitzen sehen.

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Taphozous melanopogon
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Taphozous melanopogon

Anders als die Taphozous-Fledermaus auf dem Titelbild über diesem Beitrag, hat das Tier in meiner Hand keinen schwarzen ‚Bart‘. Das liegt daran, dass das gefangene Tier ein Weibchen ist und die haben einfach eine weniger ausgeprägte Gesichtsbehaarung. Die Männchen dagegen haben zum Teil richtige Kissen unter dem Kinn hängen, die eine viel dunklere Farbe haben, als das restliche Fell (wie bei uns 🙂 ).

Außerdem hat diese Fledermausgattung (Grabflatterer) noch eine Besonderheit, die sie von den meisten anderen Fledermäusen unterscheidet, und zwar eine Flügeltasche. Direkt am Handgelenk zwischen dem Unterarm und dem kleinen (5.) Finger spannt sich eine kleine Haut, die dadurch mit der Flughaut eine Tasche bildet.

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Wing-Pouch bei Taphozous melanopogon

Außerdem gehören die Grabflatterer zu einer Familie der Fledermäuse, die sich ‚Sheath-tailed bats‘, oder Freischwänze nennt. Der deutsche Name ist allerdings irreführend, denn richtig frei ist der Schwanz nicht. Stattdessen sitzt er mehr oder weniger locker in der Schwanzflughaut und ragt, statt am Rand, aus der Mitte der Flughautfläche nach oben hinaus. Dadurch kann die Fledermaus im Flug durch bewegen ihrer Beine die Fläche, bzw die Form, ihrer Schwanzflughaut sehr stark verändern. Wahrscheinlich hilft ihr das beim manövrieren.

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Der charakteristische Schwanz bei Emballonuriden. Der eigentliche Rand der Schwanzflughaut ist unter den Körper gerollt und der Schwanz ragt aus der Mitte der Fläche heraus.

Nachdem diese Fledermaus vermessen, gewogen und bestimmt war wurde sie wieder frei gelassen und verschwand in Richtung Nachthimmel. Vom Fenster aus, aus dem wir die Fledermaus frei gelassen hatten, sah man plötzlich Lichtstrahlen durch den Wald wandern. Kurze Zeit später hörte man dann auch die Träger der Lichtquellen. Eine kleine Horde ‚podi hamuduruwo‘ (kleine Mönche) war auf dem Weg zu uns um sich den Abend zu vertreiben.

Als die Gruppe ankam schaffte ich es kurz ihnen mit den paar Worten Singhalesisch die ich kann verständlich zu machen, dass wir leise warten müssten. Aber das hielt nicht lange an. Fest entschlossen zu helfen und dem Ausländer mit seinem komischen Apparat zu zeigen wie man Fledermäuse eigentlich fängt, zogen sie los um die Tiere mit der Hand zu fangen. Natürlich hatten sie in der großen Höhle keine Chance, aber bis ich verstanden hatte, was los war, hatten die meisten Tiere schon bemerkt, dass was vor sich geht und folglich wurde an diesem Abend keine Fledermaus mehr gefangen.

Ist aber auch nicht schlimm, immerhin weiß ich nun, dass die harp-trap funktioniert und das war die Schlepperei auf jeden Fall wert. Am nächsten Abend starteten wir noch einen Fangversuch und fingen wieder eine Fledermaus derselben Art.

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Fledermausfang am zweiten Abend am anderen Ende des Korridors.

Außerdem freut es mich, dass die kleinen Mönche inzwischen relativ viel Interesse an Fledermäusen haben und oft Fragen stellen, die ich natürlich auch immer zu beantworten versuche, wenn ich sie verstehe. In Sri Lanka herrscht zwar generell sowieso eine große Tolleranz den meisten Tieren gegenüber, aber Bewusstsein um das Vorkommen dieser Tiere, Interesse und Faszination sind trotzdem zusätzliche Faktoren, die den Erhalt einer solchen Population sichern können. In diesem Sinne können die beiden Abende auch unter der Überschrift ‚Öffentlichkeitsarbeit‘ als gelungen bewertet werden 🙂

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Der ‚Zugriffstrupp‘ des Tempels vor der Buddha-Statue. Hinter dieser befindet sich der Gang mit den Fledermäusen.

Ein Gedanke zu „Acht Forscher und eine Fledermaus

  • Juni 11, 2015 um 5:39 am
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    was für hübsche Tiere, die Grabflatterer. Zum Verlieben. Ich wünschte, ich könnte sie auch mal so aus der Nähe bewundern.

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