Erwischt!

Nach dem Kurztripp zum Militärcamp in Thoppigala bin ich letzten Mittwoch, dieses Mal mit Verstärkung, wieder zurück nach Namunukula. Dort hatte ich ja an einer Stelle Laut-Aufnahmen von mindestens sieben verschiedenen Fledermausarten gemacht, von denen eine auch nach Bulldoggfledermaus klingt. Da mir aber eine ausführliche Datenbank zum vergleichen der Rufe fehlt, kann ich die Arten nicht hundertprozentig genau zuordnen. Deswegen fange ich an den Stellen, an denen es nach Bulldoggfledermäusen klingt, mit speziellen Netzen und der harp-trap, in der Hoffnung, dass mir eine davon in die Falle tappt, sodass ich sie eindeutig identifizieren kann.

Was ich dabei gefangen habe und wem der Ruf oben auf dem Bild gehört, könnt ihr mit Klick auf ‚Weiterlesen“ erfahren.

Bulldoggfledermäuse waren leider noch nicht dabei, soviel vorweg. Aber es gehen natürlich auch andere Fledermausarten ins Netz und wenn sie schon einmal da sind, werden sie auch bestimmt, vermessen und ich mache dann auch Aufnahmen von den Rufen der Tiere. Diese Aufnahmen kann ich dann als Refferenz in die Sri Lanka Fledermausruf-Datenbank eintragen, mit deren Hilfe ich, oder auch andere Arbeitsgruppen, in Zukunft die Fledermäuse anhand ihres Ultraschall-Rufs identifizieren kann. Dadurch kann ermöglicht werden, dass man kaum noch Fledermäuse fangen muss, sondern für eine generelle Untersuchung und Kartierung der Fledermausaktivität in einem Gebiet einfach Horchboxen aufstellt und am nächsten Tag die gesammelten Daten auswertet um so festzustellen, welche Arten da fliegen.

Über den Ruf auf dem Bild oben hatte ich mich sehr gefreut, weil es ein besonderer Ruftyp ist, bei dem die Fledermaus den Ton über einen langen Zeitraum sehr konstant hoch hält (für eine kurze Beschreibung der verschiedenen Ruftypen könnt ihr HIER nochmal durchstöbern). So wie der Ruf aussieht deutet er auf eine Hufeisennase hin, die sehr nah am Mikrofon vorbei geflogen sein muss, denn eigentlich reichen die hohen Rufe dieser Tiere nicht sehr weit. Außerdem ist es noch dazu eine Fangsequenz, man kann also anhand der Rufsequenz auf dem Bild oben sehen, wie die Hufeisennase ein Beutetier fängt. Zuerst aber war natürlich die Frage um was für eine Art es sich denn handelt! Bei einem nächtlichen Fang ging dann diese kleine Hufeisennase ins Netz.

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Erster Blick aus dem Fledermausbeutel. Eine Rhinolophus rouxii.

Es ist eine Rhinolophus rouxii, in diesem Fall in einem kräftigen Braunton. Das ist nämlich bei diesen Fledermäusen sehr variabel, manche sind mausgrau, andere braun, wie diese, und man findet auch regelmäßig Tiere, die regelrecht orange leuchten. Bei all diesen verschiedenen Färbungen sollte man sich übrigens auch fragen, ob das wirklich alles dieselbe Art ist, oder ob eine genetische Analyse nicht vielleicht ergeben würde, dass es eigentlich verschiedene Arten sind. Deswegen haben wir unsere Fledermaus genauestens vermessen. Außerdem ist für eine Bestimmung die Form des Nasenaufsatzes und seiner Anhängsel wichtig, die wir auch durch Fotos so genau wie möglich dokumentiert haben.

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Von der Seite sieht man die Sella, oder Sattel, eine, bei dieser Art, fast rechteckige Struktur zwischen dem Hufeisen links und der Lanzette rechts.

Die Nase einer Hufeisennasenfledermaus ist sehr komplex. Man unterscheidet drei verschiedene Teile (bei manchen Fledermausarten kommen auch noch mehr dazu). Wenn man der Fledermaus von vorne ins Gesicht schaut (und sie richtig herum hängt) sieht man zuunterst das Hufeisen, das durch zwei bogenförmige Hautlappen gebildet wird, die die Nasenöffnung umgeben und unten mit der Oberlippe abschließen. Außerdem gibt es oberhalb der Nasenöffnung die sogenannte Lanzette, die sich Richtung Stirn erhebt. Diese beiden Strukturen sind, wie auf dem Bild oben zu erkennen, flach und haben ihre größten Flächen in Blickrichtung der Fledermaus. Dazwischen liegt noch eine dritte Struktur, die genau in die andere Richtung, also von links nach recht, abgeflacht ist. Man nennt sie Sella, oder Sattel.

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Gut zu erkennen: Die komplexe Nase der Hufeisennasen.

Nachdem wir die kleine Hufeisennase bestimmt und vermessen hatten haben wir sie in unserem Zimmer ein paar Runden fliegen lassen, um ihre Ultraschall-Rufe aufzunehmen. Hufeisennasen sind allerdings äußerst wendige und geschickte Flieger. Ihr Flugstil wird oft als ’schmetterlingshaft‘ bezeichnet, denn sie fliegen nicht sehr schnell und wankeln dabei manchmal leicht. In der Regel jagen sie auch dicht an der Vegetation, oder sogar in der Vegetation und fliegen auf der Suche nach Insekten zwischen Ästen und Blättern hindurch. Es war also kaum verwunderlich, dass die kleine Hufeisennase uns den Gefallen, ein paar Runden im Zimmer zu drehen, nicht tun wollte, sondern ziemlich gezielt unter eins unserer Betten flog um sich dort an ein herabhängendes Bettlaken zu hängen und sich erst einmal ausgiebig zu putzen. Verständlich, immerhin haben wir ihr Fell ja auch ganz schön durcheinander gebracht bei unseren Messungen.

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Während sie sich also putzte haben wir unseren Datenbogen ausgefüllt, der alle wichtigen Maße, wie Unterarm-Länge, Kopf-Rumpf-Länge, die Länge einzelner Finger und Fingerglieder usw. enthält. Nachdem sie sich fertig geputzt hatte, habe ich einen Versuch unternommen sie aus ihrem Versteck zu holen, ohne sie dabei wieder zu sehr zu zerzausen, und siehe da: sie hängte sich ohne zu zögern an meinen Finger und beobachtete von da aus das Zimmer.

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Offensichtlich nicht sehr nachtragend diese Fledermaus.

Diese Art zu hängen ist typisch für Hufeisennasen. Am Tage wickeln sie zusätzlich ihre Flughäute um ihren Körper, ziehen den Kopf ein und sehen dann fast aus wie ein riesiges Insektenkokon, das von der Decke hängt. Man findet sie dann so normalerweise in Höhlen, entweder einzeln, oder auch mit mehreren Tieren.

Unsere Fledermaus schien so entspannt, dass ich sie wie auf dem Bild oben bis aufs Dach tragen konnte. Dort angekommen hat sie vielleicht noch eine Minute gewartet und sich umgeschaut, bzw ihre Umgebung ‚erhorcht‘ und ist dann losgeflogen. Passenderweise flog sie dabei ein paar Meter genau auf die Horchbox zu, die wir in Flugrichtung aufgestellt hatten, und ermöglichte uns so noch ein paar schöne Aufnahmen, die nicht in einem relativ kleinen Zimmer, sondern im freien Luftraum entstanden sind. Da Fledermäuse ihre Ultraschall-Rufe durchaus der Umgebung anpassen, sind diese Aufnahmen sehr wichtig. Folgendes Sonagramm kam später am PC bei der Auswertung heraus:

Rhinolophus rouxi_21.06.2015 spectrogram

Wenn man nun dieses Spektrogramm mit dem Titelbild vergleicht, wird klar, wer in der ersten Nacht in Namunukula seine Beute direkt vor dem Mikrofon gemacht hat. Wahrscheinlich war es auch eine Rhinolophus rouxii und ganz vielleicht sogar dasselbe Individuum, denn unser Fangplatz war nicht weit davon entfernt.

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