Fast 120 Jahre Grabflatterer-Tradition

Zwei Nächte war ich mit meinem Freund Sylvain im Süden Sri Lankas an einem Wasser-Reservoir, das als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde, um dort die Ultraschall-Laute einer Rundblattnasenkolonie aufzunehmen. Als wir dann schon fast wieder im Bus für die Weiterreise saßen, bekam ich einen Anruf vom Betreuer der Unterkunft am Reservoir. Er erzählte mir, dass es in der Nähe eine Klosterschule gäbe, die ein Problem mit Fledermäusen hat, die den Unterricht stören würden.

Das klang sehr verdächtig nach einer der Arten die ich suche, weswegen wir schnell noch einmal einen Abstecher zu dem Kloster gemacht haben. Welche Fledermäuse wir dort vorfanden, könnt ihr mit Klick auf „Weiterlesen“ erfahren 😉

Am Kloster angekommen war ich sehr begeistert. Das Gebäude (siehe Bild oben) ist aus dem Jahre 1896 und sehr offen gebaut. Also gab es auch sehr viele Einflüge für Fledermäuse! Man konnte auf Anhieb nichts hören, aber wir mussten uns ja auch erst einmal vorstellen, schließlich war unser Besuch sehr spontan und wir wurden nicht erwartet. Nichtsdestotrotz wurden wir aber sehr freundlich empfangen. Eine Lehrerin informierte die Schuldirektorin und kurze Zeit später wurden wir durch die Gänge der Schule zu der Fledermauskolonie geführt.

Man muss sich als Europäer vor den niedrigen Decken im Treppenhaus in Acht nehmen, aber das Gebäude ist auch von innen sehr beeindruckend. Das Gebäude ist u-förmig gebaut und es gibt Bogengänge im ersten Stock um einen Innenhof, die zu einer Seite offen sind und den Blick auf den Hof freigeben. Die Klassenzimmer sind sehr groß und haben sehr hohe Decken, damit die Luft in dieser sehr heißen Gegend gut zirkulieren kann. An diesem Tag war es sogar so heiß, das einige Klassen mit Tischen und Stühlen auf den Gang umgezogen sind, wo eine Brise ab und zu für Abkühlung sorgte.

Im zweiten Treppenhaus fielen dann die ersten Verfärbungen am Holz der Decke auf. Die Direktorin ging aber fast ohne zu zögern daran vorbei und meinte, dass noch weiter oben eigentlich der Großteil der Fledermäuse hängen würde.

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Ein Teil des Treppenhauses des Klosters mit Grabflatterern an der Decke.

Hier waren die Decken nun wieder höher und man konnte die Fledermäuse zwar als solche erkennen, für eine Identifikation aber musste man ein Fernglas, oder ein Teleobjektiv bemühen.

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Näher herangezoomt an die Fledermaus-Kolonie im Kloster.

Damit entpuppten sich die Untermieter leider nicht als Bulldoggfledermäuse, sondern als Grabflatterer, wie ich sie auch schon im Tempel in Pahiyangala gefunden hatte. Anscheinend gefällt ihnen das Kloster mit seinen offenen Gängen und Treppenhäusern mindestens so gut, wie die Höhle hinter der Buddha-Statue in Pahiyangala. Mehrere Weibchen und Männchen (mit dunklem Bart) hingen an der Decke und dazwischen konnte man kleinere Tiere sehen, die offensichtlich noch nicht ausgewachsen waren.

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Zwei Erwachsene Weibchen mit einem Jungtier in der Mitte. Der Größenunterschied ist allerdings nur noch sehr gering. Wahrscheinlich ist die etwas kleinere Fledermaus also schon fast ausgewachsen.

Man hatte schon einmal, durch abhängen der Decke, versucht die Fledermäuse aus einem anderen Teil des Hauses zu vertreiben, aber das hatte nur insofern funktioniert, als das sie sich einfach einen neuen Platz suchten. Nun im Treppenhaus kam eine Modifizierung nicht in Frage, weil die Schwestern das Haus in diesem Teil nicht verändern möchten. Sie machten sich aber trotzdem Sorgen, weil sie befürchteten, dass die Hinterlassenschaften der Fledermäuse Krankheiten auf die Schüler übertragen könnten.

Das Treppenhaus wird tatsächlich sehr stark benutzt. Da ich keine Fotos von den Schülerinnen machen wollte, konnte ich auch oben kein Übersichtsfoto machen, weil eigentlich kontinuierlich jemand unter den Fledermäusen unterwegs war. Nachdem ich der Direktorin erklärt hatte, dass eine Infektion mit Krankheiten durch Fledermauskot unwahrscheinlich ist und man wenn überhaupt dafür den Kot inhalieren oder essen müsste, war sie zumindest ein bisschen beruhigt. Außerdem habe ich aber auch ihre Email-Adresse bekommen und werde sie an Fledermausleute vor Ort weiterleiten, die sie noch ein bisschen spezieller beraten können.

Für mein Projekt war die Entdeckung nicht so wichtig, denn die Ultraschall-Laute dieser Art habe ich ja schon in Phiyangala aufgenommen. Trotzdem war es aber eine schöne Begegnung und ein weiteres Beispiel dafür, das Fledermäuse eben nicht nur in Höhlen weit ab der Zivilisation wohnen. Mindestens genauso oft nämlich teilen sie sich mit uns dasselbe Dach.

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Grabflatterer als Untermieter in einer Klosterschule in Galle – Sri Lanka.

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