Fledermaus-WG mit 20.000 Mitbewohnern

Eine der beiden größten Fledermaushöhlen in Sri Lanka, Wavulgalge, wird, nach momentanem Wissenstand, von ca. 20.000 Fledermäusen bewohnt und es sind fünf verschiedene Fledermausarten aus dieser Höhle bekannt. Übertroffen wird sie noch von der Wavul-pena, auch in Sri Lanka, die mit sechs Arten die größte Fledermausdiversität auf der ganzen Welt aufweist. Diese Angaben sind aus einer Publikation von Professor Yapa von der Universität Colombo, dem Betreuer meiner Arbeit hier vor Ort. Er hat für seine Doktorarbeit lange Zeit an diesen Hölen geforscht.

Während wir in den letzten Wochen, für die Endphase meiner Arbeit, viel durchs Land gereist sind, haben Martin und ich Wavulgalge einmal einen Besuch abgestattet, denn wenn man schon in der Gegend ist, kann man als Fledermausenthusiast nicht einfach daran vorbeifahren. Und wir wurden auch nicht enttäuscht, denn schon von einiger Entfernung konnte man die Flughunde rufen hören.

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Die Gegend, in der die Höhle liegt, zu finden ist nicht so schwer. Wir hatten die groben GPS-Koordinaten und haben uns dann von Haus zu Haus gefragt, bis wir an einem davon auf einen Weg hinter dem Haus hingewiesen wurden. Der Weg führte in eine lichte Ansammlung von Bäumen, unter der er auch endete. Und hier wurde es dann weniger einfach.  Wir waren wenig zuversichtlich, das wir die Höhle tatsächlich finden könnten, denn sie hätte von uns aus überall liegen können. Einige Male allerdings klatschte, oder schnalzte es hinter uns und wir wurden mit großem Gestikulieren vom Haus aus wieder in die richtige Richtung gelenkt. Und tatsächlich ist die Höhle nicht mal 100m von diesem Haus entfernt. Man muss nur die RIchtung kennen.

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Einmal angekommen aber kann man sie kaum verfehlen, denn man hört die Flughunde, man riecht ihre Hinterlassenschaften und man kann sogar einige aus verschiedenen Öffnungen weiter oberhalb der Höhle ins Dickicht fliegen sehen. Die Flughunde haben nämlich hier auch schon längst mitbekommen, dass etwas vor der Höhle vor sich geht und fliegen zu tiefer gelegenen Hangplätzen. Manchmal lohnt sich dabei eine Abkürzung an der frischen Luft.

Frische Luft ist sowieso so eine Sache, die lohnt sich nämlich allemal, wenn man eine Zeit lang in dieser Höhle war. Bei 20.000 Tieren fällt entsprechend viel Kot an und demnach besteht der Boden aus einer Mischung aus Fledermaushinterlassenschaften und lebenden, sowie toten Insekten. Gut federn tut er dadurch an vielen Stellen, aber auch sehr übel riechen.

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Wenn man aber den Gestank und die Wärme (denn die Körperwärme der Fledermäuse heizt hier ordentlich) in Kauf nimmt und sich ein bisschen weiter in die Höhle vorwagt, findet man sich plötzlich auf einer Art Balkon wieder. Man muss sich ducken, denn die Decke ist niedrig direkt vor der Kante, von der es abrupt etwa zwei Meter tiefer geht zum Boden des größten Raumes, den wir gefunden haben. Durch den Schein der Stirnlampe erhellt blitzen tausende Punkte an den gegenüberliegenden Wänden und der Decke auf. Und wenn man genauer hinsieht, fällt auf, dass jeweils zwei dieser Punkte einem Flughund zuzuordnen sind.

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Rousettus leschenaultii Kolonie. Im Hintergrund: die ‚Stadt‘. Ein Lichtermeer aus Augen.

Es sind die großen Augen der Fruchtfresser, die das Licht der Taschenlampe reflektieren. Im Gegensatz zu Fledermäusen orientieren sich nämlich Flughunde hauptsächlich über ihre Augen, nicht mit Hilfe von Ultraschall. Dafür sind die Augen von Flughunden im Laufe der Evolution so weit verfeinert worden, dass sie wahrscheinlich sogar besser als Eulenaugen sind. Die Flughunde nutzen sie um nachts den Weg zu ihrem Futter zu finden. Sie bevorzugen dabei überreife Früchte, oder den Nektar von großblütigen Pflanzen, wie zum Beispiel Bananen, die sie hauptsächlich über ihren exzellenten Geruchssinn lokalisieren.

Dabei fressen sie allerdings nicht die ganze Frucht. Das Fruchtfleisch würde für den Weiterflug zu viel Ballast bedeuten. Vielmehr sind es die süßen Fruchtsäfte, auf die es die Flughunde abgesehen haben. Sie beißen also Stücke aus den Früchten, zerkauen diese und trinken den Saft. Das Fruchtfleisch wird anschließend entsorgt, indem sie es einfach ausspucken. Wegen dieser Tischmanieren werden sie auch ungern auf Obstplantagen gesehen. So ein kleiner Rousettus-Flughund ist da höchstens ärgerlich, wenn er denn allein bleibt. Ein großer Pteropus aber, über die ich schon früher geschrieben hatte, kann schnell große Teile der Ernte zerstören, erst recht wenn auch hier, in typischer Flughundmanier, direkt mehrere einfallen.

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Rousettus leschenaultii

Soll übrigens nicht bedeuten, dass diese Flughunde komplett ohne Echoorientierung auskommen. Die meisten Flughundarten beherrschen diese Form der Orientierung zwar tatsächlich nicht, aber gerade diese Rosettus Flughunde (in diesem Fall waren es höchstwahrscheinlich Rousettus leschenaultii) sind bekannt dafür, dass sie das eben doch können. Bei weitem nicht so ausgefeilt wie eine Fledermaus, die im freien Luftraum mit Hilfe ihrer Ultraschall-Laute kleinsten Beuteinsekten zu folgen vermag. Aber um in der Höhle zu wissen wo eine Wand ist und wo nicht reicht es und ermöglicht diesen Flughunden in sehr dunklen Quartieren zu schlafen, wo sie vor Fressfeinden weitgehend sicher sind.

Aber wie Eingangs erwähnt, sind das nicht die einzigen Bewohner dieser Höhle. Vier weitere Arten listet Professor Yapa in seinen Publikationen, die nicht zu den Flughunden, sondern zu den Fledermäusen gehören. Für uns sichtbar waren nur die Rosettus-Flughunde, aber neben etwa 6.000 Individuen davon, sollen noch etwa 11.000 Hufeisennasen (Rhinolophus rouxii), zwei verschiedene Rundblattnasen-Arten mit insgesamt circa 2.000 Tieren und ungefähr 850 Individuen einer Glattnasenart (Miniopterus fuliginosus), die mit unseren deutschen Langflügelfledermäusen verwandt ist, in der Höhle wohnen (diese Angaben sind von Professor Yapa). Tatsächlich könnten es aber auch viel mehr sein, denn die Höhle hat sogar für Menschen schon vier Eingänge und mehrere Räume. Für eine Fledermaus wie die Hufeisennasen, die gerade einmal 7cm lang ist und extrem wendig fliegen kann, ergeben sich wahrscheinlich noch ganz andere Möglichkeiten ein ruhiges (naja die Flughunde machen schon immens viel Lärm) zumindest aber vielleicht ein, aus Fledermaussicht, gemütliches Plätzchen zu finden.

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Zwei weitere Einfänge zur Wavulgalge

Außerdem leben aber noch andere Tiere in der Höhle. Ein Fleck sah stark so aus, als wenn dort regelmäßig ein großer Vogel sitzt, der sich vielleicht auch den ein oder anderen Höhlenbewohner als Mittagessen erbeutet. Außerdem habe ich ja schon die Krabbeltiere auf dem Boden und an den Wänden angesprochen.

Eine nicht unerhebliche Zahl der Bewohner dieser Höhle lebt aber nicht auf dem Fels, sondern im Fell der Flughunde. Die meisten Fledertiere haben viele Ektoparasiten, also Milben und Insekten, die auf der Körperoberfläche leben. Wenn es dann auch nocht Fledertierarten sind, die in entsprechend großen Gruppen eng zusammen sitzen boomt die Parasitenpopulation. Entsprechend übersäht waren die Flughunde auch. Die tatsächliche Zahl der Bewohner dieser Höhle ist demnach nicht schätzbar und wahrscheinlich unvorstellbar groß.

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Rousettus leschenaultii mit allein vier sichtbaren Parasiten

 

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