In den Wolken

Seit zwei Nächten bin ich nun in Namunukula und ich dachte es wird Zeit, dass ich einmal kurz das nächste Untersuchungsgebiet vorstelle.

Namunukula ist ein kleines Dorf im zentralen Hochland Sri Lankas auf etwa 1450m Höhe. Grund dafür, dass es hier dieses Dorf gibt, ist die hiesige Tee-Plantage, Tonacomb-Estate. Und die ist gewissermaßen auch Grund dafür, dass ich hier bin.

Tee-Felder in Namunukula
Tee-Felder der Tonacomb-Estate, an manchen Stellen so weit das Auge reicht. Typisch sind die, in regelmäßigen Abständen gepflanzten, Schattenbäume.

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Wie nämlich bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt, befinde ich mich auf der Spur einer vergangenen Expedition. Ein reicher Engländer ist in den 30er Jahren hier herum gereist und hat viele faunistische (die Tierwelt betreffende) Erfassungen vorgenommen. Dabei hat er auch eine Zeit lang hier auf dem Gelände dieser Plantage gewohnt. Und genau hier hat er auch eine der zwei Fledermausarten gefunden, die ich nun suche.

Nachdem ich gestern den Estate-Manager getroffen habe, darf ich nun auf dem Gelände arbeiten. Außerdem hat er mir sogar einen Mitarbeiter zugeteilt, der mir helfen wird Fledermäuse zu suchen. Das ist sehr hilfreich gewesen. Wir sind direkt heute los und haben den Bungalow gesucht, in dem Phillips damals gewohnt hat. Leute hier im Dorf hatten gesagt in dem Bungalow gäbe es Fledermäuse. Der Spur musste ich natürlich sofort nachgehen, aber leider wurden wir an dem Häuschen selbst enttäuscht. Man konnte keine Fledermäuse sehen, es war auch kein Gezeter zu hören und außerdem haben uns die Menschen, die direkt nebenan wohnen, erzählt, dass es dort auch sonst kein fledermaustypisches ‚Gezwitscher‘ zu hören gibt.

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Nach zehn-minütiger Rikschafahrt und einer knappen Stunde Wanderweg endlich gefunden: Der verlassene Bungalow

Ich habe trotzdem alle umliegenden Schuppen und Felsritzen und Höhlen abgesucht, aber Fledermäuse sind mir dabei keine begegnet. Eine Horchbox konnte ich leider am Bungalow auch nicht lassen, um nachts Aufnahmen zu machen, weil der Mitarbeiter der Plantage (Prem) vehement dagegen war, aus Angst das Gerät könnte gestohlen werden.  Wieder zurück im Dorf habe ich mich dann einfach noch einmal aufgemacht und bin in die Tee-Plantagen direkt über den Häusern gestiegen. Dabei wurde mir überhaupt erst bewusst, wie riesig diese Plantage ist.

Prem hat mir erzählt, dass etwa 4000 Menschen direkt von der Plantage beschäftigt werden. Es gibt eine eigene kleine Klinik, Kindergärten, Schulen und im Dorf können die Mitarbeiter alles besorgen, was direkt von der Plantage nicht zur Verfügung gestellt wird.

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Wolken ziehen durch Namunukula. Von den Tee-Bergen aus hat mein einen wunderschönen Blick auf das Dorf

Dort oben habe ich dann, nachdem ich sicher gegangen bin, dass mich niemand beobachtet, eine Horchbox versteckt. Gut getarnt kann diese nun über Nacht die Fledermausaktivität aufnehmen. Wenn ich die Horchboxen verstecke versuche ich das natürlich möglichst unbeobachtet zu machen, um auch wirklich sicher zu gehen, dass die Boxen nicht über Nacht Beine bekommen. Zwei Zeugen gibt es nun aber doch, die beobachtet haben, wie ich die Box in einem alten Tee-Busch versteckt habe. Ich habe nichts gehört und wie man auf dem Bild sehen kann haben sich die beiden auch stets im Gebüsch gehalten, um nicht entdeckt zu werden.

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Einmal die Horchhbox im Gebüsch getarnt und dann genau hinter mir die ‚Zeugen‘, mindestens genauso gut getarnt 🙂

Kurz nachdem ich diese Bilder gemacht habe konnte man dann die Hand vor Augen kaum sehen. Hier oben nennt man die Wälder auch cloud-forrests (Nebelwälder), weil die Wolken tatsächlich mitten durch die Bäume, oder auch durch das Dorf ziehen. Das ist ein wunderschöner Anblick, den man auf den Bildern weiter oben vielleicht ein bisschen nachvollziehen kann.

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Auch wenn ich übrigens meine gesuchten Fledermausarten heute nicht gefunden habe, habe ich trotzdem ein Fledermausquartier einer anderen Art entdeckt. In einem Wassertunnel unter der Straße in der Nähe der Klinik konnte man zwei Fledermäuse fliegen sehen. Wem das bekannt vorkommt, der hat wahrscheinlich den Beitrag über die kleine Rundblattnase in Pahiyangala gelesen. Für die ist es nämlich recht typisch in solchen Wassertunneln den Tag zu verbringen.

Morgen habe ich dann außerdem die ersten Freiland-Aufnahmen von Namunukula. Ich bin schon sehr gespannt, ob dabei Laute sind, die nach Bulldoggfledermaus klingen.

 

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