Kärnten ist Fledermausland

Das ist mir klar geworden bei einem Besuch der kleinen Hufeisennasen im 1. Österreichischen Fledermaushaus in Feistritz an der Gail.

Das man erst mal finden muss! „Fledermaushaus“ steht in großen Lettern am Gebäude und ein schönes Hinweis-Schild steht direkt vor dem Haus an der Straße. Aber bis dahin muss man auch erst einmal kommen. Wir wollten um 20:00 Uhr da sein, um noch vor ihrem Ausflug einen Blick auf die Bewohner des Hauses werfen zu können. Quer durch die Berge brauchten wir aber viel länger als gedacht und kamen schließlich mit einer Stunde Verspätung an. Wir hatten sehr großes Glück, dass uns der Betreuer des Hauses Klaus Krainer im Dorf aufgabelte, als er eigentlich schon fast wieder auf dem Heimweg war.

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Die kleinen Hufeisennasen sind hier nicht allein

Was wir auf der Fahrt hierher nur ahnen konnten, aber dann von Herrn Krainer bestätigt bekamen: die Berge und Täler mit ihren Wäldern, Dörfern, Seen und Feldern auf dem Weg zum Fledermaushaus sind Fledermausland. Zahlreiche Kirchendachböden hierzulande sind von Mausohren, einer unserer größten Fledermausarten, bewohnt. Die durchsuchen des Nachts die Wälder rund herum nach Käfern und teilen sich dabei ihr Jagdgebiet mit den kleinen Hufeisennasen und Bartfledermäusen aus dem Fledermaushaus aber auch mit anderen Waldfledermäusen, wie braunen Langohren, oder Rauhautfledermäusen. Um sich nicht in die Quere zu kommen haben sie sich auf unterschiedliche Jagdmethoden spezialisiert. Rauhautfledermäuse jagen im freien Luftraum, so wie man es aus dem Garten kennt, während Langohren die Äste und Blätter von Bäumen absuchen und Mausohren sogar auf dem Boden laufend großen Käfern nachstellen. Tatsächlich hängt im Fledermaushaus eine Liste der Fledermausarten, die in Kärnten schon, auf die ein oder andere Art und Weise, nachgewiesen wurden – es sind fast alle in Österreich vorkommenden Arten dabei.

Kleine Hufeisennase mit Jungtier
Kleine Hufeisennase mit Jungtier
Hektisches Treiben im Fledermaushaus

Im Haus herrschte, als wir ankamen, bereits hektische Vorausflugsbetriebsamkeit. Einige Tiere flogen ab und zu kurz aus dem Fenster im ersten Stock, das hinterm Haus gelegen direkt auf den gegenüberliegenden bewaldeten Abhang schaut. Nur um dann wieder umzudrehen und sich doch noch einmal ins Warme zu hängen. Wahrscheinlich doch noch zu hell. Am beheizten Hangplatz wurden schon die Jungtiere abgesetzt, damit sie über Nacht nicht auskühlen. Man kann sie hier bei einem Besuch im Fledermaushaus beobachten, während die Erwachsenen ihre Flughäute noch ein letztes Mal ‚ölen‘, also mit einem Sekret einschmieren, dass die Geschmeidigkeit des Flugorgans sicherstellen soll. Dazu wurde ein Raum mit einer Trennwand zweigeteilt. Die Trennwand ist mit Scheiben versehen, durch die man die Tiere vor dem Ausflug beobachten kann. Den Tag verbringen die kleinen Hufeisennasen hauptsächlich auf dem Dachboden. Hufeisennasentypisch hängen sie dort frei baumelnd an einem Fuß (oder zwei, wenn mehr Stabilität gefordert ist) und hüllen sich wie in einen dicken Mantel in ihre Flughäute ein. Eben wie es sich für eine Vorzeigefledermaus gehört. Die meisten anderen Arten, die in Österreich und Deutschland vorkommen, machen das nicht.

Fledermaushangplatz vor dem Ausflug
Fledermaushangplatz vor dem Ausflug und Jungtiere, die dort abgehängt wurden

Jungtiere der kleinen Hufeisennase

In Deutschland eine Rarität

Kleine Hufeisennasen, die vor allem wärmebegünstigte Standorte bevorzugen, gehören bei uns in Deutschland zu den selteneren Arten. Was aber nicht bedeutet, dass große Teile Deutschlands, in denen sie momentan nicht vorkommen, nicht als Habitat geeignet wären. Früher gab es die kleine Hufeisennase flächendeckend in (grob gesagt) der südlichen Hälfte Deutschlands. Hauptsächlich durch den exzessiven Einsatz von Insektiziden in den 60er Jahren sind die Bestände aber so weit zurückgegangen, dass wir jetzt nur noch einzelne Quartiere, vor allem im Süden, zählen. Darüber hinaus gibt es noch einzelne Vorkommen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo intensive Schutzbemühungen unternommen werden um die Bestände langfristig zu sichern. Wie in Feistritz an der Gail. Dort wurde das Quartier der kleinen Hufeisennasen nicht nur fledermausgerecht saniert, sondern auch direkt um ein Fledermausinfozentrum erweitert, welches nun fledermausinteressierten Menschen einen seltenen Einblick in die Welt der nächtlichen Jäger bietet.

Fledermausbretter außen am Gebäude
Fledermausbretter außen am Gebäude

Die kleinen Hufeisennasen wohnen in diesem Haus übrigens nicht allein. Direkt vor dem Fenster auf der Vorderseited es Gebäudes, also Richtung Straße, sind Fledermausbretter angebracht, die eine Wochenstube von großen Bartfledermäusen beherbergen und überall im Gebälk flitzen Siebenschläfer herum. Sie alle scheint das Brummen und die Vibrationen des Kraftwerks, das nämlich immer noch die Gemeinde Feistritz mit Strom versorgt, nicht zu stören. Stattdessen schätzen die Fledermäuse seit vielen Jahren die Wärme, die durch die Generatoren im Haus entsteht und ihnen ein bisschen Heizarbeit für die Jungenaufzucht abnimmt. Die dürfen nicht auskühlen, um sich gesund zu entwickeln. Wenn sie dann einmal erwachsen sind, stehen Herbst und Winter vor der Türe und die Fledermäuse ziehen in ihre Winterquartiere, die verteilt über das ganze Land liegen.

Kommt vorbei!

Wer das Fledermaushaus einmal besuchen möchte kann sich im Sommer (3.6.-26.8.) jeden Freitag von 13:00-19:00Uhr das Wohnheim auch von innen anschauen. Auf den Dachboden rauf darf man verständlicherweise nicht, aber unten gibt es dafür eine Live-Übertragung mit Kameras auf dem Dachboden und interaktiven Infostationen. Spannend wird es dann nochmal, wenn die Tiere sich am Ausflug, der durch die Scheiben von innen einsehbar ist, sammeln und in die Nacht starten. Der Eintritt ist übrigens kostenlos und vor, bzw. hinter das Haus stellen um den Ausflug zu beobachten kann man sich sowieso jederzeit. Wer mit einer Gruppe kommt kann auch einen Führungstermin vereinbaren. Alle nötigen Infos gibt es auf der Seite des Trägers www.arge-naturschutz.at unter „Fledermaushaus“.

Ein kleiner Tipp noch: lasst euch von eurem Navi zum Haus führen. Das Haus ist nicht ausgeschildert (außer auf dem Schild direkt davor) und auch Feistritz an der Gail findet man nicht ohne Hilfe von der A10 aus!

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