Kleinere Rückschläge

Als ich das letzte Mal schrieb, war ich gerade wieder in Namunukula, um mit Martin, der hier war um mich bei dem Projekt zu unterstützen, noch einmal an einer vielversprechenden Stelle auf den Bergen um das Dorf herum Fledermäuse zu fangen.

Ich warne euch allerdings lieber vor, diese Geschichte handelt leider nicht von Fledermäusen, sondern davon, warum sie eben nicht von Fledermäusen handeln kann … was soll das heißen? Auf ‚Weiterlesen‘ könnt ihr es erfahren 😉

Und zwar hatten wir nämlich eine tolle Stelle gefunden. Beim letzten Besuch hatten mich mehrere Mitarbeiter der Tee-Plantage schon darauf aufmerksam gemacht, dass es eine alte Fabrik gäbe, und dort soll es Fledermäuse geben. Das Gebäude an sich ist leider nicht betretbar, aber als wir die Gegend rund herum begutachteten fielen uns sofort eine Reihe von Bergkuppen auf, die wie geschaffen dafür schienen, dass dort Fledermäuse, die eigentlich in luftigen Höhen unterwegs sind, eine Abkürzung nehmen, indem sie die Kante ganz knapp schneiden.

Also parkten wir das Auto und suchten uns zu Fuß einen Weg zu der Kuppe, die wir von Weitem gesehen hatten. Eine halbe Stunde später standen wir dann an genau der Stelle und waren überwältigt vom Ausblick, der sich uns bot. Auf dem Titelbild dieses Beitrags könnt ihr das vielleicht ein bisschen nachvollziehen.

Außerdem erfreulich war das Verhalten einiger Schwalben auf diesen Berghängen, die nämlich sehr tief, fast in Kopfhöhe über die Gräser und Büsche zogen. Da sich das Jagdverhalten und die Beute von den von mir gesuchten Fledermäusen und diesen Schwalben gar nicht so unähnlich sind, außer dass die Schwalben tagsüber und die Fledermäuse nachts jagen, war das ein gutes Indiz dafür, dass auch die Fledermäuse nachts an diesen Stellen tief fliegen würden. Wir bauten also zwei Netze auf. Eins wie auf dem Titelbild zu sehen und eins weiter unten zwischen einem Hang und einem Felsen, der eine Art Durschlass erzeugte.

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Da beide Standorte zu Fuß und nachts nicht so gut verbunden waren, blieb ich bei letzerem Netz stehen und Martin kletterte zurück zum ersten Standort weiter oben. Kurze Zeit später bekamen wir auch Besuch von ein paar Jugendlichen aus dem Dorf, die wissen wollten was wir machen. Wir haben die Netze hier mit Angeln aufgebaut. Die bringen den Vorteil, dass sie sehr leicht sind und kompakt zusammengeschoben werden können, beim Einsatz aber dann erlauben das Netz bis in vier, oder fünf Meter Höhe zu ziehen. Diese Angelruten transportieren wir in einer Tasche für Angelbedarf, die aber auch leicht als Gewehrtasche durchgehen würde.

Die fünf Jungs schienen recht belustigt ob unserer Methode. Da kommen also zwei Deutsche mit einer Gewehrtasche daher und steigen auf umständliche Weise auf einen Berg (dass es einen einfacheren Weg gegeben hätte wussten wir dann hinterher). Auf dem Berg angekommen packen sie Angelruten aus der Gewehrtasche – weit und breit kein Wasser in Sicht – und zu allem Überfluss nehmen sie dann diese Angelruten und spannen ein Fischernetz dazwischen auf … mitten auf dem Berg.

Wir erklärten, dass wir damit Fledermäuse fangen wollten, aber die Reaktion wirkte ein bisschen wie ein singhalesisches pendant zu „Ja klar … Fledermäuse, achso.“

Während also Martin mit den Jungs kommunizierte beobachtete ich an meinem Netz, leicht beunruhigt, dass der Wind zunahm und sich die Angelruten gefährlich weit durchbogen. Ich band eine zusätzliche Spannleine an eine der Stangen und setzte mich gerade wieder hin, als ich hinter mir mehrere Füße den Hang runterschlittern hörte. Hinab schritten die fünf Zuschauer und Martin, der nicht glücklich aussah.

Tatsächlich hatte eine seiner Stangen oben am Berg dem Wind nicht standhalten können und war an der Spitze abgebrochen. Dadurch war das ganze Netz ins Gras gefallen und da diese Netze extrem fein geflochten sind, bedeutet das normalerweise, dass man erst einmal eine ganze Menge Zeit investieren muss, um die hängengebliebenen Pflanzenteile wieder aus dem Netz zu zupfen. Wir entschieden das Netz zusammenzupacken und gemeinsam bei meinem Netz zu warten. Die Jungs blieben auch direkt bei mir, während Martin oben zusammenräumte. Hier schien die Aktion immerhin noch Potenzial für weitere Überraschungen zu bieten, während oben der Höhepunkt bereits vorüber schien.

Der Wind nahm allerdings nicht mehr ab und obwohl Fledermäuse normalerweise einiges an Wind abkönnen tauchte keine mehr in der Nähe unseres Netzes auf. Nach etwa drei Stunden ohne Fang bauten wir dann auch dieses Netz ab und machten uns auf den Heimweg. Viele Nachtschwalben, verwandte unserer Ziegenmelker, waren an diesem Abend unterwegs, die zum Teil so neugierig waren, dass sie bis auf ca zehn Meter an uns herankamen. Wie sie dabei den Wind nutzten um auf einer Stelle auf und ab zu schweben hatte ein bisschen Ähnlichkeit mit den Bewegungen von Delphinen, die an der Wasseroberfläche auf und abtauchen.

Trotz vielversprechender Fangstelle haben wir also an diesem Abend nichts gefangen. Martin hatte noch einen letzten verzweifelten und recht unkonventionellen Versuch unternommen doch etwas mit den Angeln zu erwischen, aber das war zugegebenermaßen von vornherein zum Scheitern verurteilt 😉

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