Rundblattnasen – VIELE Rundblattnasen

Letzte Woche habe ich ja über die Grabflatterer-Kolonie in der Klosterschule geschrieben. Eigentlich waren Sylvain und ich aber wegen einer ganz anderen Fledermauskolonie in dieser Gegend. In der Nähe von Galle, also ganz unten an der Südküste Sri Lankas, gibt es ein Wasser-Reservoir namens Hyara. Die Ufer dieses Reservoirs sind mit tropischem Regenwald bewachsen, der hauptsächlich unwegsam ist, weil es sich um ein Schutzgebiet handelt, das man eigentlich gar nicht betreten darf. Grund dafür sind zum Beispiel einige Froscharten, die hier im Wald zum ersten Mal entdeckt und nirgendwo sonst in Sri Lanka gefunden wurden. Einer dieser Frösche laicht seine Eier zum Beispiel in ausgedienten Spechthöhlen ab, die sich bei Regen mit Wasser füllen. Und auch viele endemische, also nur in Sri Lanka vorkommende, Fischarten wurden hier schon entdeckt. Außerdem aber ist von diesem Reservoir eine riesige Fledermauskolonie bekannt.

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Die Fledermäuse hausen nicht etwa im Dschungel rund um das Reservoir herum, das wär auch für Fledermausforscher viel zu umständlich. Da es in dieser Gegend wenig natürliche Höhlen gibt, hat die Rundblattnasen-Kolonie in Hyara einfach das genommen, was einer Höhle am nächsten kommt, nämlich den Tunnel unter dem Wasserdamm.

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Der Damm von Hyara

Sie tun es damit den Grabflatterern aus dem Kloster ein wenig gleich, indem sie menschliche Bauten als Ersatz für fehlende natürliche Quartiere bewohnen. Das ist ein in Deutschland weit verbreitetes Phänomen. Bei uns lebt wahrscheinlich der Großteil der Fledermäuse in und an Gebäuden, oft ohne dass die Besitzer davon wissen. Die Häuser stehen halt einfach da, wo früher einmal geeignete natürliche Quartiere, wie alte Bäume oder Felsen, standen. Man nennt Tiere, die so ein Verhalten zeigen, Kulturfolger. Hier in Hyara wohnen keine Menschen in der Anlage, aber sie wird trotzdem oft begangen für Wartungsarbeiten.

Wenn man einen kleinen Trampelpfad die trockene Seite des Damms hinunter nimmt, kommt man zu der Öffnung. Der Tunnel verläuft genau unter der Brücke, die ein kleines Stück in den See hineinragt und oben auf dem Bild zu sehen ist.

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Der Tunnel unter dem Damm – vereinzelt kann man weiter hinten Fledermäuse an den Wänden sehen

Wenn man diesen Rohren nun in den Tunnel folgt, fangen sofort die Flattergeräusche an. Die Rundblattnasen in diesem Tunnel gehören zur Art Hipposideros speoris und im Gegensatz zu den Grabflatterern, die viel Krach machen, wenn sie gestört werden, hört man hier nur das Flügelschlagen. Davon aber eine Menge, denn in diesem Tunnel leben mindestens 250 Tiere! Die verkriechen sich weiter nach hinten, wenn man hineingeht, oder aber sie fliegen geschickt zwischen den Rohren ein paar Zentimeter über dem Boden unter einem hindurch und hängen sich näher an die Öffnung.

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So viele Fledermäuse machen eine Menge Krach mit ihren Flügeln

Obwohl auf dem Bild aber gut fünfzig Fledermäuse gleichzeitig durch den Tunnel navigieren, fliegen sie so langsam und sind wendig genug, sodass sie nicht kollidieren. Für meine Arbeit waren diese Fledermäuse deshalb interessant, weil ich ihre Rufe noch nicht aufgenommen hatte. Es gab allerdings ein kleines Problem dabei, denn die rufen tatsächlich so hoch, dass das Mikrofon meiner Horchbox die Rufe nur so gerade eben aufnehmen konnte. Das heißt sie rufen höher als 120 kHz und damit auch höher als jede deutsche Fledermaus, denn den Rekord bei uns hält die kleine Hufeisennase mit etwa 110 kHz.

Hier in Sri Lanka soll es auch Fledermäuse geben, die noch höher rufen. Eine der farbenfrohsten Fledermäuse der Welt lebt hier und ruft bis zu 180 kHz hoch. Und einige tropische Arten knacken sogar die 200 kHz-Grenze. Wenn das also die Soprane im Fledermauschor sind, kann man die Arten, die ich suche, zu den Bassstimmen stellen. Unter 20 kHz gehen die nämlich bisweilen.

Auch wenn die Tonaufnahmen der Rundblattnasen in Hyara nicht so toll geworden sind, konnte ich trotzdem ein paar schöne Fotos machen. Die Fledermäuse waren ja relativ gewöhnt an Menschen in ihrem Tunnel und ich konnte deswegen an manche recht nah ran. Zum Beispiel die etwas jüngere auf dem Titelbild. Oder diese beiden hier:

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