Schuhe aus in Pahiyangala!

Bevor ich euch mein erstes Untersuchungsgebiet zeigen kann, heißt es: Schuhe aus! Denn dies hier ist ein buddhistisches Heiligtum. Und noch dazu ein prähistorisches. Einer Legende hier im Dorf zu Folge hat ein berühmter buddhistischer Mönch (Fa Hien) hier einst gelebt, aber das ist nicht bestätigt. Archäologische Untersuchungen haben aber anhand von menschlichen Schädelknochen, die hier gefunden wurden belegt, dass die Höhle von vor 33,000 Jahren, bis ungefähr vor 5,000 Jahren von Menschen bewohnt wurde.

Ich bin in Pahiyangala:

Map Sri Lanka_Pahiyangala

Dass ich hier bin liegt daran, dass 1931 ein Forscher eine der beiden Fledermausarten die ich suche, nämlich Chaerephon plicata, hier in dieser Gegend gefunden hat. Um also zu schauen, ob es diese Art in Sri Lanka noch gibt scheint es am vielversprechendsten erst einmal genau an den Stellen zu gucken, wo sie früher waren, denn viele Fledermäuse sind Traditionalisten und bewohnen ihre Quartiere über sehr lange Zeiträume.

Der heutige Tempel ist vom Fuß der Felswand, wo es auch einen Gebetsplatz und eine große liegende Buddha-Statue gibt, einen gut 10 minütigen Aufstieg entfernt. Als der Professor und ich gestern ankamen war der Vorsitzende Mönch gerade nicht da, also hat uns ein Novize den Weg hinauf begleitet und oben ein bisschen rumgeführt. Die Felswand ist gewaltig. Auch wenn sie nur gute 40m hoch ist (im Titelbild kann man die Größe erahnen).

Der Fels ist an den meisten Stellen schwarz von Moosen und Flechten, denn die Gegend ist sehr feucht. Während ich schreibe regnet es draußen in Strömen, was eigentlich täglich der Fall ist und an vielen Stellen, wo der nackte Fels zu sehen ist tropft es auch sonst kontinuierlich aus dem Gestein.

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Das scheint die Fledermäuse hier allerdings nicht zu stören. Oder suchen sie sogar solches Klima? Auf jeden Fall hat uns ‚kiri hamuduruwo‘ (‚kleiner Priester‘ so soll ich die kleinen Mönche ansprechen, oder einfach ‚small monk‘) hinter die riesige Buddha-Statue geführt. Dort gibt es einen Korridor, der von den Füßen bis zum Kopf führt und dort dann durch eine Tür versperrt ist. Und dieser Gang hängt voller Fledermäuse.

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Der liegende Buddha und die Felswand darüber. Hinter dem Buddha gibt es den Gang mit den Fledermäusen.

Man konnte schon an der Mündung des Gangs das typische Fledermaus-Gezwitscher hören. Dass sind keine Ortungslaute, die wir als Menschen ja meistens nicht hören können, weil sie zu hoch für unsere Ohren sind, sondern Sozialrufe, die man typischerweise sehr wohl hören kann. Bei der Art, die ich hier suche sollen diese Rufe so laut sein, dass man eine Kolonie in einem Haus von einem vorbei fahrenden Motorrad aus hören kann! Und sobald man den ersten Schritt in den Gang gemacht hat riecht man die Tiere auch. Und sieht sie, denn spätestens jetzt haben sie einen auch bemerkt und fliegen in einer Wolke aus Fledermausflügeln schnell zu einem weiter entfernten Hangplatz.

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Unser junger ‚guide‘ am Ausgang des Korridors.
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Und einmal umgedreht in den Gang hinter der Statue geschaut. Das nächste Bild ist in dem kleinen Spalt im rechten Bilddrittel entstanden.

Auf Anhieb haben wir dabei zwei verschiedene Arten unterscheiden können, aber sehr nah sind wir auch nicht ran gekommen. Auffällig ist dennoch sofort, dass einige Fledermäuse immer an einer Wand hängen und dort sehr agil herum klettern, was typisch ist für Taphozous-Arten (Grabflatterer). Die Bewegungen, die diese Art beim klettern macht erinnert ein bisschen an eine Krabbe am Strand, nur das sich das ganze hier in der Vertikalen abspielt.

Eine zweite große Gruppe von Fledermäusen dagegen hing anfänglich frei von der Decke. Der Professor hat gesagt, dass sie in dieser Höhle vor ein paar Jahren drei verschiedene Arten gefangen haben und auf eine davon, eine Hipposideros-Art (Rundblattnasen) passt dieses Verhalten sehr gut. Leider konnte ich kein Foto von den hängenden Rundblattnasen machen, weil ‚kiri hamuduruwo‘ uns einen Gefallen tun wollte, indem er uns zeigt, wie die Tiere alle auffliegen, wenn man einen Stein darunter auf den Boden wirft. Das war ein bisschen Schade, aber ich hab versucht das Beste draus zu machen und ‚auf-gut-Glück‘ mal ein paar Fotos ins Dunkel geschossen. Dabei ist zumindest ein Bild entstanden, auf dem man was erkennen kann. Darauf sind sogar zwei Rundblattnasen zu sehen, also nicht falsch verstehen: Fledermäuse haben nur zwei und nicht vier Flügel 😉

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Zwei Rundblattnasen hinter der Buddha-Statue im Tempel Pahiyangala

Später habe ich dann sogar noch ein Foto in einen Gebetsraum neben der Statue schießen dürfen, wo über einer weiteren Buddha-Statue (dieses Mal sitzend) eine Tür zum Speicher offen steht und nackten Fels offenbart, der auch fledermausbehangen ist!

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Wahrscheinlich ist das auch hier eine Grabflatterer-Kolonie. Aber vielleicht sind auch noch andere Arten dabei. Eventuell weiß ich das auch bald genauer, denn sollte es später noch aufhören zu regnen, werde ich heute das erste Mal die Horchboxen im Feld verstecken um Fledermausrufe aufzunehmen.

Von den Ergebnissen werde ich dann natürlich berichten. Bis bald und danke, dass ihr vorbei geschaut habt!
Tim

3 Gedanken zu „Schuhe aus in Pahiyangala!

  • Mai 12, 2015 um 5:47 am
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    Na da geht’s ja nun endlich richtig los! Die Taphozous-Grabflatterer dürften auch von ihren Ortungslauten spannend sein, zumal sie wie die Bulldogfledermäuse recht niedrige Frequenzen nutzen. Und da sie früher ausfliegen als die Hippos, drück ich dir die Daumen, dass du auch schöne Einzellaute aufnehmen kannst.
    Nach meiner Erfahrung sind gerade die Taphozous im Quartier ziemlich cool, solange sie nicht von auf den Boden geworfenen Steinen aufgescheucht werden. Da die Mönche sie ansonsten sicher nicht stören, weil sie eine bewundernswerte Toleranz den Tieren gegenüber zeigen, kommst du bestimmt sehr nah ran. In Indien sind die manchmal so vertraut, dass man hängende Tiere sogar anfassen kann, ohne dass sie wegfliegen.
    Rundblattnasen sind ja leider deutlich hektischer.

    Bin sehr gespannt, wies weitergeht und vor allem, ob am Felsen auch Bulldogfledermäuse zu finden sind!

    Viele Grüße
    Martin

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    • Mai 12, 2015 um 9:58 am
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      Hallo Martin!

      Ja, das stimmt. Ich werde auch eine Nacht davor fangen, um festzustellen welche Arten wohl da zu finden sind (der Professor hat angedeutet, dass evtl nicht alle Fledermäuse richtig bestimmt wurden, als die Höhle das letzte mal beprobt wurde) und dann die laute aufnehmen!
      Das die Tiere hier sehr nett behandelt werden stimmt und man kommt sehr nah ran. Anfassen glaub ich klappt nicht, aber ich versuch’s trotzdem mal 😉 auf jeden Fall aber kommt man nah genug ran für Aufnahmen!

      Ich berichte dann bald was ich gefunden habe!

      Viele grüße,
      Tim

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