Viel los auf den Bergen von Namunukula

Inzwischen habe ich an fünf verschiedenen Stellen Aufnahmen der nächtlichen Fledermausaktivität gemacht. Von der Platzierung der ersten Box habe ich letztes Mal berichtet und ich kann euch beruhigen: Die zwei ‚Zeugen‘ haben niemandem verraten, wo ich die Box versteckt habe 😉

Die Horchboxen von letzter Nacht dagegen haben mich schon ein bisschen beunruhigt. Gestern Abend habe ich mich noch einmal aufgemacht und bin ein gutes Stück aus Namunukula rausgefahren zu einem Tempel, von dem aus ein Weg in den Wald und zu einem ehemaligen Militärstützpunkt führt. Heute ist das Gelände mehr oder weniger verwildert und am Ende des Weges gibt es einen riesigen Felsvorsprung, von wo aus man ins Tal gucken kann. Von dort aus kann man auch eine der zahlreichen Felswände in der nahen Umgebung sehen und genau da wollte ich eine Horchbox positionieren. Bulldoggfledermäuse sind nämlich oft in natürlichen Felsspalten zu finde und wie ihr auf dem Bild sehen könnt, gibt es an dieser Wand viele davon.

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Kurz bevor ich den Anfang des Weges erreicht hatte, kam ein Gewitter auf. Da der Felsvorsprung relativ exponiert ist (und man hier ja meistens eher IN den Wolken ist, als darunter) hatte ich ein ziemlich mulmiges Gefühl beim Verstecken der Boxen. Ich habe mich deswegen ziemlich beeilt. Da es auch schon ziemlich dunkel war, habe ich dann heute morgen die Stellen nicht mehr wieder gefunden. Bestimmt eine halbe Stunde lang habe ich, zum Teil mit dem Fernglas, die Hänge abgesucht, aber ohne Ergebnis. Zum Glück hatte ich mir aber gestern noch schnell die GPS-Koordinaten der Verstecke gespeichert und damit habe ich sie dann im Endeffekt auch wiederfinden können. Auch wenn ich mich den Abend davor ziemlich beeilt habe, hatte ich sie anscheinend doch recht effektiv versteckt.

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Suchbild: Wo ist die Horchbox?

Das ging also nochmal gut und ich konnte beide Horchboxen letztendlich wieder mit zu meiner Herberge nehmen. Da ich für das Einsammeln der Horchboxen so lange gebraucht habe, konnte ich die Aufnahmen leider noch nicht auswerten. Aber von der ersten Nacht habe ich ein paar spannende Ergebnisse:

Und zwar flogen in dieser Nacht auf dem Hügel über der Stadt mindestens sieben verschiedene Fledermaus-Arten! Wie man das erkennen kann habe ich ja teilweise schon in früheren Beiträgen zur Ultraschall-Echoorientierung erklärt. Ultraschall ist eben nicht gleich Ultraschall und verschiedene Fledermausarten benutzen diese hohen Töne so unterschiedlich wie Menschen verschiedene Sprachen sprechen.

Wenn man die Töne am PC in ein Spektrogramm überträgt, kann man sehen, welche Frequenzen die Fledermäuse zu welchem Zeitpunkt benutzt haben und so die Rufe in verschiedene Ruftypen unterteilen. Manche Ruftypen sind für bestimmte Fledermäuse charakteristisch. Das hier zum Beispiel ist ein typischer Ruf einer Fledermaus, die zu den Hufeisennasen gehört:

20150604_190850 2 only spectrogram cf-call 75kHz

Man unterscheidet Ultraschallrufe anhand der Art und Weise, wie sich die Frequenz im Laufe der Zeit ändert. Oben sieht man, dass jeder Ruf einen kleinen vertikalen Haken am Anfang und am Ende hat. Dazwischen verläuft er ziemlich horizontal. Dieser horizontale Teil des Rufes ist ein Ton, den die Fledermaus für mehrere Millisekunden auf einer bestimmten Frequenz hält. Wie ein Opernsänger, der für mehrere Sekunden einen bestimmten Ton singt. Diesen Teil des Rufs nennt man cf-Teil, was für ‚constant-frequency‚ steht. Die Haken am Anfang und am Ende nennt man fm-Teile, für ‚frequency-modulated‘. Hier verändert (moduliert) die Fledermaus im Bruchteil einer Sekunde die Tonhöhe, singt aber alle Töne zwischen Anfangs- und Endton auch mit.

Manche Fledermäuse benutzen dagegen Rufe, bei denen man nur einen fm-Teil erkennen kann, wie zum Beispiel diese hier (wahrscheinlich eine Pipistrellus-Art, die mit unseren deutschen Zwergfledermäusen verwandt ist):

20150604_183138 fm-call 60-33kHz

Es gibt noch einen weiteren häufigen Ruftyp, nämlich den qcf-Ruf. Das ist die Abkürzung für ‚quasi-constant-frequency‘ und bedeutet, dass die Fledermaus den Ton nicht ganz so schön gerade, wie in dem Beispiel von der Hufeisennase, hält. Jeder Ruftyp hat Vor- und Nachteile und ist an die Lebensweise der jeweiligen Fledermausart angepasst.

Da ich unter den Aufnahmen dieser Nacht auch solche hatte, die nach meinen gesuchten Bulldoggfledermäusen klingen, habe ich in einer darauffolgenden Nacht ein Netz aufgestellt, um zu versuchen diese zu fangen. Leider ist mir das nicht gelungen, weil mir auch hier der Regen und ein Gewitter einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Das dort oben aber viel Fledermausaktivität ist, haben nicht nur die vielen unterschiedlichen Aufnahmen gezeigt, sondern auch die drei Fledermäuse, die ich in nur einer halben Stunde, wo das Netz noch aufgebaut war, gefangen habe. Es waren zwei verschiedene Pipistrellus Arten: Pipistrellus ceylonicus und Pipistrellus tenuis, die unseren deutschen Zwergfledermäusen zum Verwechseln ähnlich sehen (sie sind auch sehr nah verwandt).

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Pipistrellus ceylonicus (oben) und Pipistrellus tenuis (unten).

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Diese beiden Arten sind eigentlich nicht die, die ich suche, aber bei der Sri Lanka Ruf-Datenbank konnten die drei mir trotzdem gut helfen, indem ich ihre Ultraschall-Laute beim Freilassen aufnehmen konnte. Dadurch sind inzwischen drei gesicherte Arten in dieser Datenbank und ich kann immer mehr Aufnahmen, die ich nachts mit den Horchboxen mache, einer bestimmten Art Fledermaus zuordnen.

 

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