Was war eigentlich in Gammaduva?

Liebe Leser von Nachtgeflatter,

nun ist tatsächlich ein bisschen Zeit vergangen, seit ich das letzte Mal einen Beitrag veröffentlicht habe. Inzwischen bin ich nämlich auch wieder in Deutschland und das Sri Lanka Fledermausprojekt befindet sich in der nächsten Phase, in der es um die Analyse und Auswertung der Daten geht. Nach dem letzten Beitrag von der Wavulgalge sind wir allerdings ja noch ein bisschen weitergereist und sind auch noch so vielen Fledermäusen begegnet, dass es noch die ein oder andere Geschichte zu erzählen gibt. Das wollte ich in den nächsten Wochen nachholen.

Ich habe zum Beispiel kaum etwas über unsere Funde in Gammaduva geschrieben. Über den Wiederfund von Tickells Fledermaus hab ich berichtet (und das war auch mit Abstand der Wichtigste Fund), aber es gab noch eine Reihe weiterer Fledermausbegegnungen in Gammaduva, von denen ich euch ein paar gerne vorstellen möchte. Auf ‚Weiterlerlesen‘ könnt ihr sie euch ansehen!

Die allererste Fledermaus, die im Zuge des Sri Lanka Fledermausprojekts gefangen wurde (vielleicht erinnert ihr euch noch, sie wurde nämlich von den Mönchen mit deren Robe gefangen) war eine Hipposideros galeritus. Als ich später einem Fledermausexperten in Sri Lanka von diesem Fund erzählte meinte er, dass das eine sehr interessante Entdeckung wäre, denn es ist tatsächlich eine der selteneren Rundblattnasenarten in Sri Lanka, von der wenige Quartiere bekannt sind. In Gammaduva aber scheint sie nicht so selten zu sein!

Vor Ort fragten wir einen Ortskundigen, ob er uns zu Höhlen in der Umgebung führen könnte. Von ihm geführt besuchten wir am ersten Tag fünf Höhlen und ganze drei davon waren von Fledermäusen bewohnt. Die Höhlen waren dieses Mal nicht so geräumig. Meistens waren es kleinere Kammern, die durch lose gestapelte Felsbrocken entstanden sind, in denen man nicht mal hocken konnte. Wir mussten uns also im wahrsten Sinne des Wortes ‚ordentlich ins Zeug legen‘ um die Höhlen zu kontrollieren.

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Noch ein Rundblattnasenquartier.

Die Höhle auf dem Bild war mitten in einem sehr feuchten Waldabschnitt, in dem es von Landegeln (wie unsere Blutegel, aber leider nicht an Gewässer gebunden, sondern an Land und sehr mobil) nur so wimmelte. Dort gab es einen kleinen Haufen Felsen, die man auf dem Bild sehen kann, und durch die Art und Weise, wie sie zusammenstanden ergab sich unten eine Öffnung, von der Größe ähnlich dem Eingang eines Fuchsbaus.

Nach kurzem hadern, wegen der Egel und dem sehr matschigen Boden im Eingang, der noch dazu mit einer dicken Schicht Asche bedeckt war, siegte letztendlich doch die Neugier. Man war immerhin auch extra gute zwanzig Minuten zu Fuß hierher marschiert. Kurze Zeit später lag ich also mit Stirnlampe im Dreck und kroch in das Loch. Das hat sich aber gelohnt! Tatsächlich schaute mir nämlich von zwei Metern weiter links eine kleine Rundblattnase entgegen, die sich als eben jene Art entpuppte, die wir schon im Tempel gefunden hatten und von der eher wenige Quartiere bekannt sind.

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Hipposideros galeritus in einer Felshöhle

Und das blieb nicht das einzige Quartier dieser Art in dieser Gegend. Tatsächlich muss man nämlich gar nicht unbedingt auf dem Boden rumkriechen, wenn man diese Fledermäuse zu Hause besuchen möchte. Manche wohnen sehr viel geräumiger, zum Beispiel in diesem alten Trockenhaus, in dem früher einmal Gewürze getrocknet wurden. In der Gegend findet man viele Zimtplantagen, aber auch Nelken und Kardamon. Zum Trocknen gab es hier früher eine Art Ofen, der aber heute zerfallen ist und von einer recht großen Gruppe Hipposideros galeritus bewohnt wird.

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Quartierhaus von Hipposideros galeritus
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Alter Ofen, der nun von einer Kolonie Hipposideros galeritus bewohnt wird

Gerade solche größeren Kolonien dieser Art sind bisher kaum bis gar nicht bekannt gewesen und wir fanden später sogar noch eine zweite Gruppe in einer Trockenkammer an einem Bauernhaus. Vielleicht stehen die beiden Kolonien sogar untereinander in Kontakt, sodass sie im Endeffekt eine große Gemeinschaft bilden. Das wäre auf jeden Fall eine interessante Frage für zukünftige Arbeiten.

In jedem Fall aber sind es beides Quartiere die als Wochenstuben in Frage kommen, in denen die Weibchen ihre Jungen groß ziehen. Es war auch auffällig, dass einige Tiere dunkler, oder brauner wirkten als andere: vermutlich Jungtiere. Wir haben hier keine Fledermäuse gefangen, weil eine Bestimmung auch so möglich war. Die Rundblattnasen in Sri Lanka kann man leicht anhand ihrer Nasenanhangsgebilde unterscheiden. Diese Tiere hatten zwei zusätzliche Nasenblätter seitlich der großen Nasenöffnung, was sie als Hipposideros galeritus auszeichnet.

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Hipposideros galeritus im Ofenquartier
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Hipposideros galeritus in einem anderen Quartier in der Gegend. Gut zu sehen: die zwei zusätzlichen Nasenblätter neben der Nasenöffnung.

Dank der Hilfe unseres Führers, der uns insgesamt fast 10 Quartiere zeigte, von denen sechs auch bewohnt waren, konnten wir die Anzahl der bekannten Quartiere von Hipposideros galeritus in Sri Lanka quasi verdoppeln. Das ist auch interessant, weil man vielleicht daraus schließen kann, das diese Art in höheren Lagen häufiger ist, als in tieferen. Um das zu beweisen müsste man diese Hypothese aber natürlich noch einmal genauer untersuchen.

Wir haben aber nicht nur Rundblattnasen gefunden. Die zweite Art, die uns einige Male begegnete, die auch in Sri Lanka häufig und typisch als Bewohner verlassener Häuser ist, ist Rhinolophus rouxii. Eine kleinere Hufeisennasenart, die ihr aus dem Beitrag ‚Erwischt!‘ aus Namunukula vielleicht noch kennt. Die könnt ihr, wie sie von einem Dachbalken hängt, oben auf dem Titelbild sehen. Diese Art ging uns auch bei einem nächtlichen Netzfang mehrere Male ins Netz und auch in die Harp-Trap. Es scheint also in der Gegend noch viel mehr Quartiere auch von dieser Art zu geben, als wir gefunden haben.

Die zu suchen würde aber sehr viel Zeit in Anspruch nehmen und da diese Art auch nicht der Fokus meiner Arbeit ist, hieß es nach einer Woche wieder: Koffer packen und ab ins nächste Gebiet.

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Rhinolophus rouxii

 

 

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