Wie fängt man eine Fledermaus?

Am Himmel und bei Nacht sehen die meisten Fledermäuse ziemlich gleich aus und im Quartier kommt man nicht an alle Stellen dran, um sie sich dort genauer anzuschauen. Deswegen ist das Fangen von Fledermäusen für einen Artnachweis unumgänglich.  In dem Einführungs-Video habe ich die Methodik meiner Arbeit ja schon kurz erklärt. Es geht darum per Ultraschall-Lautaufnahmen geeignete Stellen zu finden, an denen man wahrscheinlich bestimmte Arten fangen kann. Um sie dann aber letztendlich fangen zu können muss man sich was Gutes überlegen, denn Fledermäuse sind ausgesprochen geschickte Flieger und haben ein sehr feines Ortungsvermögen. Noch dazu will man die Tiere ja nach der Bestimmung wieder unbeschadet in die Freiheit entlassen!

Es gibt zu diesem Zweck spezielle Netze, die sehr fein sind und von den Tieren nicht geortet werden können. An bestimmten Stellen aber ist der Einsatz eines solchen Netzes gar nicht, oder nur schwer möglich möglich. Etwa, wenn nicht genug Platz  zum Aufspannen ist, oder das Netz über einen Fluss gespannt werden soll. Noch dazu haben Netze einen großen Nachteil, nämlich, dass sie so gebaut sind, dass sich die Tiere in einer Tasche verfangen, aus der sie möglichst schnell wieder befreit werden müssen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie sich die Netzfäden um den Hals, oder andere Körperteile wickeln und so anbschnüren. Eine andere Methode dagegen stellen harp-traps, oder Gleisharfen, dar.

Dabei handelt es sich um zwei rechteckige Rahmen, die voreinander stehen und in denen vertikal dünne Schnüre gespannt werden. Man setzt darauf, dass die Fledermaus zu faul ist um außen herum zu fliegen und stattdessen versucht mitten durch zu schießen, wie sie es auch bei zum Beispiel Spinnenfäden, oder dünnen Ästchen machen würde. Nachdem sie aber die erste Schnurebene passiert hat, trifft sie auf die zweite, welche leicht versetzt angebracht wurde. In dem kleinen Zwischenraum zwischen den Schnüren kann sie ihre Flügel nicht aufspannen und wird deswegen von der zweiten Reihe Schnüre gebremst und plumpst in einen Baumwollbeutel, der unter den Harfen angebracht ist.

Dieser Beitrag dokumentiert mit vielen Bildern den Bau einer solchen harp-trap. Bei Interesse kannst du einfach auf ‚Weiterlesen‘ klicken. Ansonsten springe ‚HIER‘ einfach zum Bericht der ersten Nacht, in der ich die Falle mit den kleinen Mönchen ausprobiert habe.

Solch eine Harfenfalle gab es in Sri Lanka bisher nicht und vom Markt sind diese Geräte sehr teuer. Also habe ich die ersten Wochen in Colombo genutzt um ein eigenes Modell zu entwerfen und, zusammen mit der Werkstatt der Physikfakultät, den Rahmen zu bauen. Das Gerüst besteht hauptsächlich aus Aluminium.

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Wir haben dazu 6 Alu-Rohre, die jeweils ca. 3,90m messen,  mit eine Wandstärke von 1,5mm und einem Durchmesser von ca. 2cm besorgt und beim Professor auf der Einfahrt zugeschnitten. Jedes Rohr wurde in 2m und 1,90m geteilt.

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Anschließend haben wir in Colombos Stahlviertel eine 6mm dicke Aluplatte besorgt, wie sie eigentlich hier in den Bussen verbaut wird. Die wurde dann in der Werkstatt von den Mitarbeitern mit der Bandsäge zugeschnitten. Vielleicht nicht die schnellste Methode, aber es hat funktioniert. Als ich am nächsten Tag wieder kam waren die Teile fertig ausgeschnitten.

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Anschließend mussten die Bleche mit Löchern versehen werden, die später die Alurohre halten sollen. Die wurden vorgebohrt und dann auf die nötige Größe ausgefeilt.

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Befestigt wurden die Rohre später mit zwei Stiften (innen und außen), sodass die Bleche nicht auf den Rohren hin und her rutschen. Auf diesem Bild sieht man auch schon die Halterungen für die Seitenpfosten und die Füße!

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Anschließend konnte die harp-trap das erste mal Versuchsweise aufgestellt werden. Hier fehlt allerdings noch der Beutel zum auffangen der Fledermäuse und die Schnüre.


Die Schnüre habe ich in Colombo ganz schön lange suchen müssen. Wir haben letztendlich Angelschnüre mit einer Dicke von 0,3mm benutzt, die es in jedem Nähgeschäft gibt. Eigentlich wäre 0,25mm, oder sogar 0,2mm besser gewesen, aber die habe ich nirgends gefunden. Wir haben bei einer Verwandten des Professors, die Schneiderin ist, vorbeigeschaut und die hat prompt den Beutel innerhalb von einer halben Stunde genäht.

Das Gerüst war also fertig, bevor ich nach Pahiyangala aufgebrochen bin. Dort angekommen mussten nur noch die Schnüre geknotet werden. Das stellte sich allerdings als langwierige Angelegenheit heraus. Ich hätte vorher rechnen sollen. ca 1,80m Länge und alle 2,5cm eine Schnur, bedeutet 72 Knoten für eine Harfe oben und 72 Knoten unten … Und das für zwei Harfen!


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Zum Glück haben mir zwischendurch immer Mal ein paar Mönche geholfen, wenn sie gerade Zeit hatten. So waren wir in nur drei Nachmittagen damit fertig.

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Da man die harp-trap zerlegen kann, sodass sie nur ein 2m langes Bündel mit ca 20cm Durchmesser ist, müssen die Schnüre sehr eng geknotet werden, damit sie nicht verrutschen.


Die äußeren Pfosten sind höhenverstellbar. Durch verlängern, oder verkürzen kann dadurch die Spannung der Schnüre variiert werden. Außerdem ist noch wichtig zu anzumerken, dass der Beutel am oberen inneren Rand einen Streifen Plastik eingenäht hat, damit die Fledermäuse nicht einfach wieder herausklettern, wenn sie einmal gefangen sind. Sie können aber unter den Plastikstreifen, wo sie ein bisschen geschützter hängen, bis man sie dann abholt.

Damit war der harp-trap Bau abgeschlossen. Es war sehr viel mehr Arbeit als gedacht die ganzen Schnüre zu verknüpfen und einige sind doch zu locker, sodass sie verrutschen, wenn sie nicht auf Spannung sind. Nichtsdestotrotz ist es aber im Endeffekt gelungen eine harp-trap für einen Bruchteil dessen, was sie sonst kosten würde, zu bauen – und sie funktioniert! Die fertige Falle wurde nämlich noch am selben Abend, unter kritischer Aufsicht von sieben kleinen Mönchen, direkt vor der Öffnung des Korridors hinter der Buddha-Statue ausprobiert.

Hier könnt ihr erfahren was wir gefangen haben.
Viele Grüße,
Tim

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